Die Fertig-BARF-Falle: Warum „Komplettmenüs“ oft nicht komplett sind

Die Fertig-BARF-Falle: Warum „Komplettmenüs“ oft nicht komplett sind

Fertige BARF-Komplettmenüs aus dem Handel versprechen eine bequeme und zugleich artgerechte Fütterung. Doch Vorsicht: Der Begriff „BARF“ wird häufig nur als Synonym für „rohe tierische Zutaten“ verwendet, ohne dass die Zusammensetzung des Menüs dem durchdachten BARF-Konzept entspricht.

Typische Schwachstellen dieser Easy-BARF, Komplett- und Fertigmenüs sind:

  • Falsche Aufteilung der Komponenten: Oft fehlen Innereien, wie Leber, Niere und Milz oder ihr Anteil ist zu gering, um den Nährstoffbedarf zu decken, während günstigere Füllstoffe wie Pansen oder Lunge überwiegen.

  • Zu hohe Anteile an bindegewebsreichen schwerverdaulichen Komponenten: Eine Kombination aus Lefzen, Euter, Pansen und Blättermagen kann bei unempfindlichen Hunden durchaus mal im Napf landen, sind aber keine bedarfsdeckende Dauerlösung. Für futtersensible Hunde und Senioren sind derartige Mixe zu meiden.

  • Zu geringer oder ungeeigneter Knochenanteil: Viele Menüs enthalten eine unbestimmte Menge an Calcium oder gar keine Calciumquelle, wie z.B. rohe fleischige Knochen, Knochenmehl oder Calciumcarbonat, was langfristig ohne Supplementierung zu einem Calciummangel führt.

  • Keine Vitamin-D-Quelle enthalten: Häufig fehlt eine Quelle für Vitamin D, wie beispielsweise Lebertran. Leber liefert zwar Vitamin D, aber nicht in bedarfsdeckenden Mengen.

  • Zu wenig oder zu viel Fett: Der Fettgehalt einer klassischen BARF-Ration liegt zwischen 12% und 15% Gesamt-Rohfett. Die Berechnung der Tagesmenge basiert auf diesem recht hohen Energiegehalt. Weicht das Komplettmenü davon ab, muss die Tagesration für den Hund entsprechend angepasst werden.

  • Verwendung ungeeigneter Öle: Statt hochwertiger tierischer bzw. mariner Quellen wie Fisch- oder Algenöl werden oft pflanzliche Öle wie Rapsöl oder Distelöl verwendet, die für den gedachten Einsatz ungeeignet sind.

  • Fehlende oder falsche Jod-Angaben: Die Jodversorgung ist oft nicht sichergestellt, oder der Jodgehalt des verwendeten Seealgenmehls ist nicht deklariert.

  • Pauschaler Einsatz von „Alles-drin“-Mineralstoffpulvern: Anstatt gezielt zu ergänzen, werden oft undifferenzierte Pulver eingesetzt, die zu Über- oder Unterversorgungen führen können.

Fazit: Fachwissen statt Bequemlichkeit 

Fertige BARF-Menüs sind nicht per se schlecht, doch der Name ist leider kein geschütztes Qualitätssiegel. Viele Produkte auf dem Markt sind eher „rohes Allerlei mit Gemüse“ als eine durchdachte, bedarfsdeckende Ration. Wer sich für den bequemen Weg entscheidet, sollte mindestens über Basis-Wissen zum Thema BARF verfügen und die Deklaration des gewählten Menüs kritisch prüfen: Gibt es Angaben zu Vitamin D, Jod oder dem genauen Innereien-Mix? Welche Fleischqualität und Calciumquelle liefert die Rezeptur? Wie ist die Futterqualität zu beurteilen?

Unser Rat: Nutze entweder Fertigmenüs, die klassisch nach dem Beutetierschema zusammengesetzt sind, wie z.B. die Komplettmenüs von Paul & Paulina oder lerne, wie du selbst eine Ration von Grund auf korrekt zusammenstellst, wobei wir dir in unserem BARF-Coaching gerne helfen. Nur so kannst du sicher sein, dass dein Tier wirklich alles bekommt, was es für ein gesundes Leben braucht.